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Getreidefrei: sinnvoll oder nur ein Trend?

„Getreidefrei" steht auf immer mehr Futterpackungen und klingt nach gesund und natürlich. Aber braucht dein Hund das wirklich? Hier erfährst du, was hinter dem Trend steckt und worauf es tatsächlich ankommt.

Zuletzt aktualisiert: Oktober 2026 · von Marvin

Holztisch mit Trockenfutter, Reis und Getreide in Schälchen
Bild KI-generiert

Das Wichtigste in Kürze

  • Die meisten Hunde verdauen gut aufbereitetes Getreide problemlos.
  • „Getreidefrei" heißt nicht „ohne Kohlenhydrate": Statt Getreide stecken oft Kartoffeln, Erbsen oder Linsen drin.
  • Wenn ein Hund etwas nicht verträgt, ist es meist ein bestimmtes Eiweiß und nicht das Getreide an sich.
  • Gluten steckt nur in einigen Getreidesorten. Reis, Mais und Hirse sind glutenfrei.

Woher kommt der Trend?

Das häufigste Argument lautet: Der Hund stammt vom Wolf ab, und Wölfe fressen kein Getreide. Das klingt logisch, greift aber zu kurz. Hunde leben seit Tausenden von Jahren mit Menschen zusammen und haben sich dabei auch an deren Essensreste angepasst.

Forscher haben 2013 im Fachjournal Nature gezeigt, dass Hunde deutlich mehr Kopien eines Gens besitzen, das für die Verdauung von Stärke wichtig ist, als Wölfe. Hunde sind also keine reinen Fleischfresser, sondern eher Allesfresser mit Vorliebe für Fleisch. Gut gekochtes oder aufgeschlossenes Getreide können die meisten Hunde gut verwerten.

Was „getreidefrei" wirklich bedeutet

Getreidefrei heißt: kein Weizen, kein Mais, kein Reis, keine Gerste, kein Hafer und keine Hirse. Trockenfutter braucht aber Stärke, damit die Kroketten überhaupt zusammenhalten. Deshalb ersetzen viele Hersteller das Getreide durch andere Kohlenhydratquellen, zum Beispiel:

Ein getreidefreies Futter ist also nicht automatisch kohlenhydratärmer oder „natürlicher". Es sind einfach andere Zutaten.

Getreide und Gluten: nicht dasselbe

Oft werden „getreidefrei" und „glutenfrei" verwechselt. Gluten ist ein Eiweiß, das nur in bestimmten Getreidesorten vorkommt:

Eine echte Glutenunverträglichkeit ist bei Hunden selten. Bekannt ist sie vor allem bei einzelnen Rassen, etwa beim Irish Setter. Ein glutenfreies Futter kann trotzdem Reis oder Mais enthalten.

„Getreidefrei heißt nicht automatisch gesünder."

Und Futterallergien?

Wenn ein Hund auf sein Futter reagiert, steckt meist ein bestimmtes Eiweiß dahinter. Am häufigsten sind laut Studien Rind, Milchprodukte, Huhn und Weizen. Getreide als Ganzes ist also nicht das typische Problem, und Huhn oder Rind kommen deutlich öfter vor.

Ob dein Hund wirklich etwas nicht verträgt, lässt sich übrigens nicht mit einem Futterwechsel auf gut Glück herausfinden. Dafür gibt es beim Tierarzt eine sogenannte Ausschlussdiät über mehrere Wochen.

Ist getreidefrei vielleicht sogar schlechter?

Das lässt sich nicht pauschal sagen. Die US-Lebensmittelbehörde FDA hat 2018 begonnen, Berichte über eine bestimmte Herzerkrankung bei Hunden zu untersuchen. Bei einem Großteil der gemeldeten Fälle hatten die Hunde getreidefreies Futter mit vielen Erbsen oder Linsen gefressen. Ein ursächlicher Zusammenhang ist bisher aber nicht bewiesen, die Daten sind umstritten und die Frage ist noch offen.

Für dich heißt das vor allem: Getreidefrei ist kein Qualitätssiegel. Ein Futter wird nicht dadurch besser, dass etwas weggelassen wird.

Wann getreidefrei oder glutenfrei Sinn ergibt

Worauf es wirklich ankommt

Statt nur auf „mit" oder „ohne Getreide" zu schauen, lohnt sich ein Blick auf das Gesamtpaket:

  • Ist es ein Alleinfuttermittel, das alle Nährstoffe liefert?
  • Wie sieht die Zusammensetzung aus, und sind die Zutaten klar benannt?
  • Passt die Menge zu Gewicht, Alter und Aktivität deines Hundes?
  • Und ganz wichtig: Frisst dein Hund es gern, und fühlt er sich wohl damit?

Wie du ein Etikett richtig liest, erkläre ich in diesem Artikel: Etiketten lesen: Was steht eigentlich im Hundefutter?

Gut zu wissen

Wenn dein Hund dauerhaft Verdauungsprobleme, Juckreiz oder Hautveränderungen hat, lass das tierärztlich abklären, bevor du das Futter wechselst. Dann weißt du, woran es wirklich liegt.

Marvin mit Toby auf dem Arm

Geschrieben von Marvin

Hundehalter aus dem Münsterland. Lebt mit Toby und schreibt hier über das, was die beiden zusammen gelernt haben. Mehr über uns →

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Dieser Artikel ersetzt keine tierärztliche Beratung. Quellen unter anderem: Axelsson et al., Nature (2013); Mueller et al., BMC Veterinary Research (2016); FDA-Untersuchung zu Hundefutter und Herzerkrankungen (seit 2018). Die Inhalte dieses Ratgebers sind bewusst allgemein und gelten für jeden Hund.