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Etiketten lesen: Was steht eigentlich im Hundefutter?
Rohasche, tierische Nebenerzeugnisse, „mit Huhn" – auf Futterpackungen stehen viele Begriffe, die mehr verwirren als erklären. Hier lernst du, ein Etikett in wenigen Minuten zu verstehen.
Zuletzt aktualisiert: Oktober 2026 · von Marvin

Das Wichtigste in Kürze
- Die Zutaten stehen nach Gewichtsanteil sortiert – was zuerst steht, ist am meisten drin.
- „Roh" bei Rohprotein und Co. beschreibt die Messmethode, nicht die Qualität.
- Nass- und Trockenfutter kannst du nur vergleichen, wenn du den Wassergehalt herausrechnest.
- Ob ein Futter gut zu deinem Hund passt, verrät das Etikett allein nicht – es ist aber ein guter Anfang.
Allein- oder Ergänzungsfutter?
Ganz oben auf jeder Packung steht, um welche Art Futter es sich handelt. Das ist wichtiger, als viele denken:
- Alleinfuttermittel deckt bei richtiger Menge alles ab, was dein Hund täglich braucht. Er kann ausschließlich davon leben.
- Ergänzungsfuttermittel ist dafür gedacht, mit anderem Futter kombiniert zu werden – zum Beispiel Leckerlis, Kauartikel oder bestimmte Nassfutter. Allein gefüttert kann auf Dauer etwas fehlen.
Die Zusammensetzung: Reihenfolge zählt
In der Zusammensetzung stehen alle Zutaten – sortiert nach ihrem Gewichtsanteil. Was ganz vorne steht, macht den größten Teil aus. Dabei gibt es zwei Arten, wie Hersteller das angeben dürfen:
- Offene Deklaration: Jede Zutat wird einzeln genannt, oft mit Prozentangabe – zum Beispiel „Rindfleisch 40 %, Rinderherz 15 %, Karotte 5 %". So weißt du genau, was drin ist.
- Gruppenbezeichnung: Zutaten werden in gesetzlich festgelegten Kategorien zusammengefasst, etwa „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse". Das ist erlaubt und weit verbreitet. Hilfreich ist, wenn zusätzlich die Tierart genannt wird – zum Beispiel „(Geflügel und Ente)".
Gut zu wissen: Bei Fleisch zählt das Gewicht oft im frischen Zustand – also mit Wasser. Bei Trockenfutter kann der Anteil nach dem Trocknen deshalb kleiner sein, als es zuerst wirkt. Steht dagegen Trockenfleisch in der Liste, ist das Wasser bereits herausgerechnet – der angegebene Anteil entspricht also dem, was wirklich im Futter steckt.
Was „mit Huhn" wirklich bedeutet
Wird eine Zutat im Namen oder auf der Packung hervorgehoben, muss ihr Anteil angegeben werden. Zusätzlich hat sich in der Branche eine Faustregel etabliert, an der du dich orientieren kannst:
| Bezeichnung | Mindestanteil |
|---|---|
| „mit Huhn" | mind. 4 % |
| „reich an Huhn" | mind. 14 % |
| „Huhn" im Produktnamen | mind. 26 % |
| „nur Huhn" / „100 % Huhn" | einzige tierische Zutat |
Ein „Menü mit Huhn" kann also überwiegend aus anderen Zutaten bestehen. Ein Blick in die Zusammensetzung schafft Klarheit.
„Wer die Reihenfolge kennt, liest ein Etikett in einer Minute."
Tierische Nebenerzeugnisse – besser als ihr Ruf?
Der Begriff klingt nach Abfall, ist aber erst einmal nur eine Sammelbezeichnung. Dazu gehören auch Innereien wie Herz, Leber, Lunge oder Pansen, die viele Hunde gern fressen und die wertvolle Nährstoffe liefern. Gleichzeitig kann darunter Vieles fallen, was weniger hochwertig ist.
Das Wort allein sagt also wenig über die Qualität aus. Mehr Klarheit hast du, wenn die Tierart genannt ist – oder die Innereien einzeln aufgeführt sind, etwa „Rind (Fleisch, Herz, Leber, Pansen)".
Die analytischen Bestandteile verstehen
Dieser Abschnitt beschreibt, was eine Laboranalyse des fertigen Futters ergibt. Das „Roh" davor bedeutet nur, dass ein Standardverfahren verwendet wurde – nicht, dass etwas roh oder minderwertig ist.
- Rohprotein: der Eiweißgehalt.
- Rohfett: der Fettgehalt – ein wichtiger Energielieferant.
- Rohfaser: unverdauliche Ballaststoffe, wichtig für die Verdauung.
- Rohasche: klingt seltsam, ist aber einfach der Gehalt an Mineralstoffen. So viel bleibt übrig, wenn man eine Probe im Labor verbrennt. Es wird keine Asche zugesetzt.
- Feuchtigkeit: der Wassergehalt. Bei Nassfutter oft rund 75 bis 80 %, bei Trockenfutter etwa 8 bis 10 %.
Nass- und Trockenfutter fair vergleichen
Auf den ersten Blick wirkt Trockenfutter oft eiweißreicher. Das liegt aber vor allem am Wasser im Nassfutter. Ein einfaches Beispiel zeigt den Unterschied:
Nassfutter
10 % Protein, 80 % Wasser
→ ohne Wasser gerechnet: 50 % Protein
Trockenfutter
25 % Protein, 10 % Wasser
→ ohne Wasser gerechnet: rund 28 % Protein
So geht's: Teile den Proteinwert durch den Anteil, der kein Wasser ist. Beim Nassfutter also 10 geteilt durch 20 (weil 80 % Wasser) – das ergibt die Hälfte, also 50 %. Klingt kompliziert? Wichtig ist nur die Botschaft: Vergleiche nie die nackten Zahlen von Nass- und Trockenfutter.
Zusatzstoffe: nicht automatisch schlecht
Unter „Zusatzstoffe" findest du sehr unterschiedliche Dinge:
- Ernährungsphysiologische Zusatzstoffe wie Vitamine und Spurenelemente – sie sorgen dafür, dass ein Alleinfutter wirklich vollständig ist.
- Technologische Zusatzstoffe wie Konservierungsmittel oder Antioxidantien – sie machen das Futter haltbar.
- Sensorische Zusatzstoffe wie Aromen oder Farbstoffe – sie sind vor allem für uns Menschen gedacht, denn Hunden ist die Farbe ihres Futters ziemlich egal.
Deine 5-Punkte-Checkliste für den Supermarkt
- Alleinfutter? Wenn es die Hauptmahlzeit sein soll: ja.
- Was steht zuerst? Bei den meisten Hunden ist eine tierische Zutat an erster Stelle eine gute Basis.
- Ist die Tierart genannt? So weißt du, woher das Eiweiß stammt – wichtig, wenn dein Hund etwas nicht verträgt.
- Passt die Fütterungsempfehlung zu Gewicht und Alter deines Hundes?
- Verträgt dein Hund es? Am Ende ist das der wichtigste Test – das Etikett ist nur der Anfang.
Was ich bei Toby gelernt habe
Bei Toby habe ich lange vor allem auf eins geachtet: so viel Fleisch wie möglich. Erst später habe ich verstanden, dass das zu kurz gedacht war. Reines Muskelfleisch allein ist nicht ausgewogen – erst zusammen mit Innereien, Mineralstoffen und ein paar anderen Zutaten wird ein vollständiges Futter daraus.
Außerdem war ich lange überzeugt, dass Toby keinen Reis verträgt. Heute ist Reis in seinem Futter kein Problem mehr. Vielleicht lag es damals an etwas ganz anderem – an der Menge oder an der Zusammensetzung insgesamt.
Seit ich weiß, worauf es wirklich ankommt, ist Toby wie ausgewechselt. Deshalb schaue ich heute nicht mehr nur auf den Fleischanteil, sondern aufs Gesamtpaket.
Probier es aus
Mit den analytischen Bestandteilen von der Packung kannst du im Kalorienrechner für Hundefutter ausrechnen, wie viel Energie im Futter steckt und wie viel dein Hund davon braucht.
Geschrieben von Marvin
Hundehalter aus dem Münsterland. Lebt mit Toby und schreibt hier über das, was die beiden zusammen gelernt haben. Mehr über uns →
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Dieser Artikel ersetzt keine tierärztliche Beratung. Die Inhalte dieses Ratgebers sind bewusst allgemein und gelten für jedes Futter.


